100 Karten des Aufstandes – Forderung der Kunst auf Selbstzweck

In meinen Kunstwerk(chen) beschäftige ich mich unter anderem mit der Frage der Produktion von Erinnerungen und Symbolen. Ein relevanter Aspekt bei der Reproduktion von Erinnerung ist die Wiedergabe von Bildern in unterschiedlichen Formaten. Je nach Dauer können wir mehr oder minder von einem einzigartigen oder „mehrartigen“ sprechen. Während ersteres den höchsten zeitlichen Anspruch verlangt und mit Falsifizieren und anderen Verfahren der kognitiven, affinitiven sowie motorischen Inanspruchnahme hantiert,  so verlangt die andere Form die wenigste Zeit, insofern sie versucht die Botschaft schnellst möglich in einer schablonierten Form zu fassen. Gleichsam ein Gedanke den viele Streetartkünstler favorisieren, da ihnen ein beschleunigtes Verfahren der Kunstproduktion hilft länger unentdeckt ihren nicht immer legalen Kunstbotschaftsverbreitungsmechanismen nachzukommen, z. B. mittels dem Stencil. Hierbei kommt der Künstler in die Zwangslage Symbole zu produzieren, welche einen höheren Erinnerungswert beinhalten und somit schnell lesbar sind.

In der Bildserie, die ich auf die zeitliche Spanne „100 Karten des Aufstandes“ nenne, widme ich mich zudem der Problematik der multiplikativen Anforderung einer Kunstszene, die ausschließlich dem Konsum dient und weniger ihrem Zweck des Forschens und Hinterfragens gesellschaftlicher sowie anderer problematischer Thematiken nachzukommen. Der Aspekt Zeit sollte hierbei ein weniger Konsum-dienlicher als vielmehr themenkritischer und zum Nachdenken auffordernder, in einer verharrenden und retardierenden Form, Kunstbegriff sein.

Mein Gedanke ist an dieser Stelle ein Ansatz zum Dienen der Kunst um ihrer Selbstzweck und weniger einer Kunst um der Fremdbestimmung wegen. Kunst ist nichts Schmückendes, wenn doch Ästhetisches, insoweit mit biographischen Erinnerungen behaftetes, „Ding“. Der Gedanke ist gleichsam einer Tendenz zum Manifest einer Beharrlichkeit, wenn doch eher eine Kritik an unserer Gesellschaft der emotionalen Kälte und universalen Distanz. Letzteres bezieht sich auf einen Moralbegriff, der unsere Welt ganzheitlich und nicht nur plural, partikular oder individuell betrachtet. Kunst sollte wieder lernen mehr zu sein: Nicht nur die reine Wissenschaft, reine Schönheit, reine Raumdekoration, reine Elite und reine Kommunikationsmittel. Sie sollte hinterfragen, zu gleich ästhetisieren, zu gleich schmücken, zu gleich fordern und zu gleich kommunizieren.

 

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